Die Gewerkschaft hat darauf geachtet, dass sich der Streik nicht zu einer breiteren Bewegung entwickelt. Sie haben zum Beispiel den Kampf der Busfahrer von anderen Beschäftigten des öffentlichen Verkehrs getrennt. Am Dienstag und Mittwoch, den ersten beiden Streiktagen, fanden für die VGF-Beschäftigten in Frankfurt Betriebsversammlungen statt, wo Straßenbahn-, U-Bahn- und Stadtbahnfahrer unter immer anspruchsvolleren Bedingungen arbeiten. Aber alle Lokführer zum gemeinsamen Streik aufzurufen, ist das Letzte, was Verdi im Sinn hat. Bis zur letzten Minute bemühte sich Verdi um einige Zugeständnisse der Unternehmen, um die Beschäftigten dazu zu bringen, eine Vereinbarung zu akzeptieren. Am vergangenen Donnerstag fand eine fünfte Verhandlungsrunde mit den privaten Unternehmen statt. Für Verdi ist der Streik vor allem ein Mittel für die Beschäftigten, sich auszutoben. Auf dem Weg zu diesem “Erfolg”, dessen Kosten vollständig von den Arbeitnehmern getragen wurden, wurde jeder Vertrag und jede Vereinbarung von den Gewerkschaften unterzeichnet. Jochen Koppel, Verdi-Streikleiter, sitzt im Aufsichtsrat der VgF Frankfurt. Er arbeitet seit Jahren eng mit Leuten wie Klaus Österling, dem Frankfurter Sozialbeauftragten für Verkehr, und Volker Sparmann, dem ehemaligen Chef der Rhein-Main ÖPNV-Allianz (RMV), zusammen. Vor zwei Jahren war Sparmann Als Schiedsrichter und rechte Hand des grünen Verkehrsministers Tariq al-Wazir tätig und spielte dabei eine wichtige Rolle bei der Einstellung des letzten Busfahrerstreiks.

Verdi ist sehr sensibel für die Interessen der Unternehmen. In der Präambel des Verdi-Vertrags 2014 mit dem hessischen Nahverkehr heißt es beispielsweise: “Dieser Tarifvertrag zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der Verkehrsbetriebe zu schaffen und zu erhalten.” In diesem Zusammenhang wurde auch der öffentliche Verkehr dezimiert. Eine Werbebroschüre für das Frankfurter Verkehrsunternehmen traffiQ beschreibt, wie der Busbetrieb seit Ende der 1990er Jahre gestrafft wurde. Im Jahr 2001 sei beschlossen worden, “den Betrieb von der Gemeinde an einen waffenreichen lokalen Auftragnehmer auszulagern, der dann den Busbetrieb in fünf auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnittene Bündel zusammenführte”. Die Transformation erfolgte nahtlos. Ab 2004 wurde ein Bündel pro Jahr privatisiert. Trotz der anspruchsvollen Qualitätsstandards wurde im Vergleich zum bereits reduzierten Preis des bestehenden ÖPNV eine Kostensenkung von 25 Prozent erreicht. Man könnte sagen, Erfolg auf der ganzen Linie.” In diesem Jahr hat Verdi den bisherigen unbefristeten Streik so lange wie möglich verschoben, obwohl der bisherige Vertrag bereits im März 2019 ausgelaufen war. Und das trotz der Entschlossenheit der Busfahrer, sich zu wehren, wie dies in eintägigen Arbeitsaktionen im Oktober und November gezeigt wurde. In der fünften Verhandlungsrunde hat der Landesverband der Hessischen Busunternehmen (LHO) den Fahrern lediglich eine Lohnerhöhung von 13,50 Euro auf 15,60 Euro pro Stunde über einen Zeitraum von vier Jahren angeboten.

Daran ändert nichts an den Hungerlöhnen, die für einen angemessenen Lebensstandard im teuren Rhein-Main-Gebiet nicht ausreichen.